– nichts los auf dem Bahnsteig. Mittlerweile war es drei und ich bald in der Innenstadt. An den Gleisen der U-18, deren Haltestellen sich für den Außenstehenden immer gleichen, immer gleich an gleich, Bahnsteig in Grau und Grau geschlagen, zwei Gleise, hin und zurück, Bänke aus Kälte und Dreck und Dreck und Kälte und Anzeigetafeln, die manchmal blinken, 10 Minuten, 5 Minuten, sofort, 10 Minuten, 5 Minuten und so fort. An einer dieser Haltestellen stand ich im Moment der runterscheißenden Tauben. Zwei Vorschulkinder winkten den Autos auf der 40, kein Fahrer grüßte zurück, ihre Rucksäcke so herrlich kindlichbunte Farbtupfer, schön und schwer, sicherlich, die mussten das Enttäuschtwerden erst noch lernen. Hier wohnte der Stau, in seiner Mitte warteten wir; auf der Bahnsteiginsel kurz nach drei. Alle Sitzmöglichkeiten belegt, Smartphonenacken an Smartphonenacken, alle vier, und die Überdachung hielt, was sie versprach: Einen trockenen Blick auf den stahlgrauen Ruhrschnellweg. Ich fragte mich, wann auch hier das Grüne wachsen wird, an diesem Autobahnband, das sich durch die Wohnsiedlungen zog, und ob ich diese Straße einmal mit ihr teilen werde: Nein, niemals, wohl nie. Vielleicht gibt es auch in Berlin Schienen inmitten der A1 oder 2 oder 96, dumme Gleiskörper ohne Leben, vielleicht muss sich all das gleichen, immer weiter angleichen, gleichwerden, gleiswerden, aber ohne dich, wertlose Bilder. Die Kinder winkten weiter, abseits einer Antwort aus den Autos. LKWwind im Gesicht, störte nicht, störte doch, wie das Warten ohne die verdammte Musik. Da kommen einem all diese Eindrücke und die Zeit, zerdehnt in Ewigkeit, wie lange? 5 Minuten bis zur Bahn! Kinderwinken und PKW-Verkehr und du, du willst nach Berlin? Hier haben wir doch alles, Familie und Arbeit und Grün und Grau und Lachen und Schweigen und Liebe und Hassen und all das Menschenzeug dazwischen die Einsicht in Einsamkeit, nur wir, wir können ihr entkommen. Ich spuckte auf den Boden. Nein, tat ich nicht – die Kinder guckten! Das Gleisbett ein einziger Zigarettenfriedhof, obwohl es hieß, dass doch niemand mehr rauchte, Stummel an Stummel an leerer Pfandflasche, eingequetscht, und Kaugummiflecken besprenkelt. Hier gab es nichts zu entdecken außer den Geschichten, die dahinter liegen könnten. Doch die musste sich ein anderer ausmalen, denn Sofort, da oben stand es, Sofort. Sofort schaute ich nach rechts, U-Bahnkontur am Horizont, sich aus fernverlaufender Kurve schälend, groß und größer werdend, eine Hoffnung, die endlich zur Masse wurde und ich stieg ein, Türenschließen, Kartenstempeln, auf einen der leeren Vierersitze und im gemächlich-langsamen Vorbeifahren der Bahn winkte ich den Kindern zurück und für eine lächerliche Millisekunde war das auf einmal der glücklichste hässlichste Ort der Welt.