Wir versenken auf der Stauseebrücke die Luftschlösser der Jugend, wissend: Das war’s. Wir drehen der Zukunft einen Strick, verlieren kein Wort zu viel. Starren fort. Du sprichst von Wien und ich, ich werde bitteren Espresso kochen, heute in meiner Studentenwohnung am Ring. Das Kleid deines Schweigens, das Hetzen meines Herzens, schlägt es bei dir so laut wie bei mir? Kanukonturen weit entfernt und schön wie weggeworfene Stöcker. Der rastlose Klumpen Magen verbleibt, allein du weinst nicht und ich, ich werde heute in Kissen beißen, leise und bei mir.
Ferne wächst zwischen uns nach deinen Sätzen, stauseenah, genug für zwei Leben: Meins hier und eins drüben. Die Zeit frisst sich nach Süden. Ich bleibe stehen. Die Zeit treibt dich nach Süden: Vor den Blicken der tiefste See, kalt, lebensleer, wir schichten Ferne zwischen uns. Worum geht es hier? Ich verstehe nichts und wortfern verfrieren unsere Blicke über dem Wasser, Flüche über Wasser in Gedanken und Gefühlen und der Uhr bricht jeder Zeiger. Der Wirbelsturm des Schweigens reißt den Körper. Ich schüttle ihn ab. Du sagst: „Es ist Zeit. Es ist Zeit geworden.“
Wandergansschwärme, verfliegende Konturen vor den Wolkengerippen. Am Stausee um halb Sieben bleibt mir nichts verborgen. Wir schweigen viel zu schön: Das Blau deiner Augen, helles Licht bei der Nacht. In Bochum scheiden sich Liebe, Räume und Träume. In Witten trifft nichts zusammen. Helles Licht bei der Nacht und Perlen in den Muscheln, sie suchen Austern am Tag, sie suchen, verschwinden und rufen: Provinz! Hattingen rückt ab von uns. Perlen in den Muscheln glänzend in der Nacht, doch sie kennen nichts. Sie verklären. Sie verkennen. Ich denke: Ein Ort wie dieser ist dir nicht genug. Wie so vielen. Wie so vielen.
Und dann bist du gegangen. Kein Schulterblick. Kein Streicheln über meine Hand. Nur das letzte Lippenzucken, vielleicht ein Versehen am Kemnader See, am Kemnader Stausee um halb Sieben starre ich allein zurück. Bedrängt von Gefühlen.
Jetzt war es Zeit. Es war Zeit geworden.