Sie gaben ihm Steine und er legte sie in die Wege. Er legte Steine in die Wege, um Böden zu pflastern und arbeitete jeden Tag. Kopfsteinpflaster, Bordsteine, Hammerschläge und Sand. Hinter rot-weißen Absperrbändern auf Knien, zwischen Fußgängern und Passanten, eine Zigarette hinterm Ohr, eine Kippe im Mund. Stund‘ um Stunde fuhr sein Kumpel Schubkarre um Schubkarren ran. Mittags stießen sie an, bissen in Stullen und schwiegen manchmal viel zu lang‘ am Straßenrand. Eine Schulklasse ging vorbei, eine Kindergartengruppe, eine Studententruppe; keiner beachtete ihn, der die Steine festklopfte knapp über ihren Füßen. Fielen Blicke, dann in das ausgehobene Baustellenloch, als könnte sich dort etwas ereignen, verstecken, ergeben. Er dachte: So ist es eben – und das ist okay.
Denn nachmittags träumte er von Davos. Von Schneestürmen und Liegekuren, von reichlichen Mahlzeiten und der Stille auf dem Berghof in den Alpen. Hier in der Nachmittagshektik träumte er von dieser Welt zwischen Hammerschlag und Asylantrag. Das würde keiner verstehen, dachte er, so wie er die vielen langen Diskurse nicht verstand. Aber die waren ihm egal. Ihn interessierte die Schönheit der Sprache schon seit Stunde eins. Und daraufhin blickte er zurück auf den Pflasterweg, der bald begehbar war und sah seinen Teil, den er dazu beigetragen hatte. Er hoffte, dass man es berücksichtigen würde. Ein leichtes Nicken und er räumte weiter Steine in die Wege, Hammerschlag auf Hammerschlag. Steine in die Wege. Jeden Tag.