Schuttwall

Geradeaus, beinahe ins Loch. Das Baustellenschild schickte orangene Lichtblitze in den Morgen thronend auf der rot-weißen Absperrung am Felderrand: Ich hatte es trotzdem nicht kommen sehen. Eines jener Löcher in den Straßen, das Knistern des Stromaggregats, die unvergleichliche Sprache der Bauarbeiter und der Wunsch sich ins Loch zu stürzen, zu fallen bis in den Erdmantel und tiefer in den Kern. Ich hielt mich an den Gitterzaunstäben fest, beobachtete das Graben der Baggerschaufel, das so präzise und mächtige leichte Wippen, das kraftvolle Sich-Stürzen auf den Erdboden, einkrachend in festes Gestein, Bodensubstrat, abheben und hochholen und dann das Kippen der frisch geborgenen Erde, der Schutt, der in den Container stürzt und fällt und rieselt. Ich war tot, dachte ich und bin enttäuscht worden. Heute Morgen dachte ich, selbst bald begraben zu werden, hoffte ich, sehnte mich nach der dem Eintauchen ins endgültige Vergessen: Schwarz. Stille. Tod.

Doch hier stehe ich nun, sieben Uhr. Dieser Teil der Welt wird anders, ist anders geworden. Bin ich hier fremd? Bin ich noch bei mir? Beim Betrachten des Baggerlochs kam mir der Gedanke an den ganzen verdammten Lebensschutt. Ich fragte einen der Männer, wohin der Container gebracht werden würde und er zuckte nichtssagend mit den Schultern. Unter eine neue Autobahn vielleicht, an den Rand einer Halde? Enttäuscht über die Ungewissheit starrte ich weiter ins Loch. „Kann überall hinkommen“, sagte der Mann abschließend, als hätte er sich an etwas erinnert und ging zurück an die Schüppe. Und ich blickte hoch. Vor meine Füße fiel ein Steinchen des Baggerschutts wie Spucke auf den Boden. Ich steckte es in die Hosentasche. Überall hin, wiederholte ich leise und setzte meinen Weg fort. Erheitert über die Fülle an Möglichkeiten und verwirrt zugleich.