Junge Gourmetmeilen, verhangen im Wunsch nach Neubeginn, Echtheit und Qualität. Burgerteller von schwarzbehandschuhten Berlinbartträgern serviert, vor der Bestellung eine Geschichte – es ist kein Gericht, es ist ein Narrativ… Wo alle so tun, als hätten sie ihre uralte Disziplin erfunden: Kaffeerösterei, Craft-Bier-Brauerei, Bio-Bäckerladen und Barbershop. Gemeinsamer Individualismus. Getrennt in der Branche. Hier hin geht die junge Studentin zum Cocktailtrinken, der aussterbende Hipster sehnt sich nach Kioskbier und endet beim Gin aus der Markenflasche, 40 Euro, schönes Etikett. Kunstversuche hinter Schaufensterscheiben, alles ist Bio, organisch, alles genau abgewogen und schlecht gelaunt. Manchmal ein Laden mit Vergangenheit, eine alteingesessene Kneipe, die verklärt wird, ein traditioneller Metzger, ein Kiosk, der verdammt noch mal nicht weichen will. Nachts die Taxischlangen, tagsüber Mercedesblech an Lastenrad, E-Roller werden umfahren.
Das Genre ist eine trübsinnige Hoffnungslust, man will es besser machen, man sieht ja die Welt. Häufig gelacht wird hier nicht, aber auch das gehört dazu: Es sind ja triste Zeiten, das muss man sich ins Gesicht schreiben. So schreitet man die Tage ab, die Nächte und die Zeit zwischen den Versuchen, möglichst seinen Traum zu verwirklichen; ehrgeiziger Individualismus, Ironie ohne Sarkasmus und Humor, die Cafés der Straße als Bühne und Hedonismus auf dem Spielplan jedes Gegenwartsentwurfs, der Drang nach Distinktion und dennoch die Frage: Warum nehmen sich die anderen bloß kein Beispiel an mir? Es ist keine Insel, diese Welt, dieses Viertel, diese Straße, auch wenn es manche so sehen, es ist ein Teilstück der Stadt, kein Ende, aber auch nie Anfang und in all dem alles außer weltbewegend und bedeutsam für den Rest. Und vielleicht schneller überprägt, als man denkt.