Kreisverkehrkiosk, wo sonst

Betäubte Beine schmerzen doch, merken sie, eine Couch verlockt, ein Sessel, eine Lehne; und die Zweisamkeit einer Familie, wenn man ehrlich ist – man friert nun fest an die Becher.

„Das Bäumchen da, das wird uns vielleicht überleben.“                           

„Woher der Zweifel?

Ein Neuling wird beäugt: Anzugfratze, Pisspotthaare, müde, gehetzt und gebückt. Eine Traurigkeit mit Krawatte kurz vor Kioskschluss. „Stehen stärkt die Beine“, sagt einer und fast lachen sie beide.

Zum Abschluss ein Kurzer mit viel zu viel Kleingeld, eine gemischte Tüte, harte, sauer-bunte Süßigkeiten aus Plastikboxen gefischt, lächelnd wird das grauweiße Papier in die kleine Hand gelegt, gefüllt, zu viel, natürlich, ein Augenzwinkern, ein Finger auf geschlossenen Lippen. Dann wird gerannt und Kinderaugenleuchten verbleibt an den leeren Flaschen. Es dunkelt, es wird genuckelt und genuschelt, nicht mehr getrunken. Die Weisheiten nehmen ab. Und jeder denkt für sich das gleiche. Jeder fühlt das Stechen einer Vergangenheit, sich entfernend wie Kindertrappeln auf Asphalt. Keiner weiß, ob es anderes hätte laufen können. Keiner traut sich, sich das zu fragen. Hier träumt jeder allein, am Kreisverkehr, am Kreisverkehrkiosk, wo sonst.

Und als sie nachts die Schnüre löste, auf dem Kreisverkehr, und das Bäumchen mit Urin begießen, wissen sie, dass auch das nichts ändern wird. Aber es ist ihr Revier.

„Können die machen, was sie wollen.“

„Idioten.“

„Kappeskoeppe, die.“

Und daraufhin lachen sie beide.