Kreisverkehrkiosk I

Heute Morgen hat man einen aufgelesen. Helmlos. Am Fuß einer Treppe – ja, ja, ein Unfall, ja, ja die Kontrolle verloren, vielleicht.

Weißt du, sagte er und wusste nicht weiter. Die Zigarette gekommen und genommen, wie immer hier, am Kreisverkehr, am Kreisverkehrkiosk, im Wind.

Sicher, und dann klickte das Feuerzeug, kurz nach der Antwort, und dann schmeckte das Bier vor dem Schweigen. Wie schön doch Rauchschwaden wehen, und wie schön Rauchschwaden vergehen. Zwei Zigaretten, ein gleicher Blick, der Wind nahm zu wie früher und war schwächer als morgen. Ein Herbstwind am Kreisverkehr kalt, am Kreisverkehrkiosk, wo sonst.

Man hatte ein Bäumchen gepflanzt, eine kleine Kastanie, heute, in die Mitte der kreisrunden Wiese, in ein Gestell aus hellhartem Holz gepflanzt, fachmännisch und beamtenpräzise. Holzlatten gestützt, verschnürt, um gerade zu wachsen, seinem Wunsch nach zu wachsen: Ein Baum. Eine Einheit. Eine Idee. Ein Alter zog die Schnur gerade handfest, so muss es aussehen, dachte einer, wenn man Hoffnung erwürgt. Und die beiden sahen das mit an, bis er stand, und starr und streng soll er nun wachsen, natürlich in die Wolken wachsen. Wenn’s ihm nicht passt, wird er halt sterben. Hier, auf dem Kreisverkehr, nirgends sonst.

Und man merkte: Der Mittag begann früh, am Kreisverkehrkiosk, mit einer Nachricht. Und wie Meerwasser kalt an eine Klippe knallt, schlug Fahrzeugwind gegen die beiden. Bei Kaffee und bei Teer geborgen, die Haare wild wie der Wille. Ausländerhass und Privatgrundstück? Nein. Zweisamkeit, vielleicht: Familienglück, hinter traurigen Gardinen. Zwei Gestalten am Rand der Zeitungswand, geschützt von Plexiglas: Ein Dach über dem Schädel. Die Falten ihrer Gesichter fielen kaum noch auf, man kannte die Bilder, Jacken bis in die Bärte, rotverwitterte Nasen, die Zähne nichts weiter als morsche Planken über die selten Sätze gehen. Es sind Jahresgräber, verfurchte Haut, vom Leben gesehen, im Randbereich stehend. Der Griff um die Becher streng und stoisch fest, und Gehen war ein Wort, auf das nie eine Antwort entfiel; denn weiter wusste hier niemand. So vefiel ihre Welt und so fiel der Tag in den Abend: Die Zeit kehrte zurück an den Stehtisch. Jeden Tag. Man lernte das Vergehen im Stehen, es war Herbst geworden und die beiden alt. Herbstwind wie Meerwasser kalt. Am Kreisverkehrkiosk, wo sonst.    

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