Auf Asche

Wir tranken mit gierigen Mündern:

rannten ins Tornetz zum Keeper, wir

rannten in die Arme jedes Spielers,

jedes Trainers und in die Arme unserer Eltern.

Auch wenn wir dafür doch schon zu groß waren,

zu groß für die Kindheit, kaum zwölf,

und Erwachsene weinen doch auch noch am Spielfeldrand.

Wir rannten und die Asche bröckelte von den aufgescheuerten Knien,

das blaue Trikot, Rotschimmer getüncht.

Hagebecker Bahn, Ballfreunde auf einem Platz ohne Zukunft in dem Stadtviertel mit Malochercharme und Arbeitslosigkeit. Wir rannten in die Kabine, rannten in die Autos und angekommen an unserem eigenen Platz, rannten wir in die klatschenden Turnierzuschauer hinein, die wir gar nicht kannten, die wahrscheinlich Eltern waren, so wie unsere Eltern Eltern waren, nichts als stolz.

Ein neuer Meister in unserer Stadt, ein kleiner.

Heute wir.

Und auf unserer alten Asche wächst nun Wiese, wild. Tore sind verschrottet, Kabinen eingerissen und der Verein längst anderswo, fort: Kunstrasen lockte und Kreidekreise zieht heute niemand mehr.

Ich suche die Erinnerung zwischen den Zaunstäben, die Leichtigkeit der Jugend, das was ich war, was ich bin: ein Mensch mit den Händen am Zaun und dem Blick auf die frische Wiese, und Kreidekreise zieht heute niemand mehr. Außer, außer an der Hagebecker Bahn, wo der Platzwart weiter den Markierwagen schiebt, Kreide an den Fingern wie sonst nur die Lehrkraft in der Schule. Die Tradition der roten Asche am Vereinsheim mit Stauder im Hahn;

die Tradition, sie atmet noch, sie röchelt noch,

sie schiebt.