Ich fütterte Rehe und schloss eine kurze Freundschaft mit einem Pfau. Ich erzählte einem Waschbär, wie wunderbar traurig die Welt wäre. Er stimmte mir zu und griff ins Wasser. Die Otter stritten sich und ich warf schlichtend ein paar Dinge ein. Dem Uhu verriet ich die Uhrzeit: Elf Huhuhr und witzig fand er das wohl nicht. Dem Luchs lieferte ich ein Blickduell – er blinzelte zuerst. Bei den Schweinen lernte ich Dankbarkeit. Die Ziegen fassten mich an. Und alles begann damit, dass mir jemand eine Box mit Tierfutter in die Hand drückte. Er müsste los. Schluss mit der Überheblichkeit des Menschen gegenüber den Tieren, dachte ich. Ich fütterte die Schafe auf Augenhöhe. Bei den Vögeln sang ich mit. Ich gefiel einem Esel, er trabte mir nach und eine Entenfamilie grüßte mich nicht im Vorbeigehen, diese unfassbare Arroganz. Ich verstand den Wellensittich besser als meine Familie. Und den Wolf auch. Und das Pony. Ich spielte Verstecken mit den Rennmäusen und verriet dem Maulwurf mein größtes Geheimnis. Ich zitierte Rilke vor den Stäben und musste mich entschuldigen. Vielleicht nahm man es mir übel. Ich lag im Gras, für eine Minute, ich lag am Wasser und lauschte dem Springbrunnenrauschen und über mir die Vögel. Nichts weiter mehr. Es passierte nicht viel und das war mir so schön. Es war die schönste Zeit, von der ich noch träume.
Wie gerne ich träume.