Himmel

Ich habe Rauch gerochen, wo die Nächte Leben einsam färbten, habe Rauch gerochen auf dem Weg zur Schicht. Ich habe die Nacht im Gesicht getragen. Jeden Tag. Habe mir die Lunge geteert und bin älter geworden, als es die Statistik erlaubte. Ich habe von Wolken geträumt. Weiße Watteflocken, man sagte mir, die schweben und vergehen und nie gleicht eine der anderen. Ich habe Rauch gesehen, wo Wolken schweben. Im Morgenglimmer und abends, wenn der Himmel brannte. Ich habe Rauch gesehen, Staub und Nacht. Zechend bin ich abgestürzt, in die Umarmungen meiner Kumpel. Wir haben gewettet, wer seinen Atem als erster verliert. Wir haben uns nie geirrt und gemeinsam die Trauer ertränkt, jedes Mal aufs Neue.

Ich habe Rauch gerochen, wo Schichten einsamer wurden. Ich erinnere mich dunkel: Der lila Morgen über der Straßenbahn, dein Abschiedskuss auf meiner Stirn, der Nebel, meine Liebe. Ich erinnere mich nur dunkel und weiß, der Rauch schmeckte nach Krankheit und Feuer, und ich habe Rauch gerochen und von Wolken geträumt, Schicht für Schicht. Meine Haare fielen dem Helm zum Opfer, die Haut, der Atem, jeder Knochen, alles blieb Stück für Stück im Schacht zurück, Stück für Stück.

Ich habe Rauch gerochen, als die Luft sauberer wurde, atembar und die Männer weniger. Ich habe Wolken verteufelt, weil sie nicht die Schönheit aus meinem Traum besaßen. Ich qualmte jeden Tag meine Stängel, auch wenn mich das zu Grabe trieb; Rauchwolken in meinem Garten. Und die Zeit fraß die Kohle aus den Stollen. Ich grub.

Rauch, Krankheit und Feuer, meine Lungenflügel begannen zu brennen, mein Herz schlug im Stollen unruhig und tief, und der Morgen blutete, matt und schummrig, jeder Abend blutete sich sein Herz aus den Wolkenrippen. Ich habe Rauch gerochen, wo meine Nächte kürzer wurden wie die Stunden unter Tage. Morgenglimmer im Nebel, aufsteigend wie Rauch, brennende Engel. Schicht um Schicht. Das Träumen von Wolken. Schicht um Schicht.

Der letzte Steiger in Sicht, weiße Watteflocken, Morgenglimmer, Abfahrt und Aufstieg, Ich trage die Nacht im Gesicht voller Stolz. Das vergeht nie, sagen sie und am Ende habe ich meinen Stolz an den Haken gehangen, den Helm und die Marke, meine Marke in die Tasche gesteckt, umnebelt von Gedanken und Zweifeln. Die letzte Schicht im Schacht.

Ich habe Rauch gerochen und Rauch im Garten meines Hauses gesucht, beinahe war es bequem. Ich habe ihn in den Wolken gesucht, in meinem Liegestuhl gelegen und nichts gefunden außer Lügen, Rauchwolken in den Lügen des Tages. Der Himmel war der beste Verräter, sagte ich meiner Frau, halb hustend, halb stumm, das vergeht nie.

Und ich rieche den Rauch noch immer, immer wieder, eingeholt von der Statistik. Die Nacht im Gesicht, meine Haare im Helm, mein Hirn wird heiß. Dort hinten wächst die Kastanie, dort hinten im Garten, ich liege in meinem Stuhl und die Herbstblumen betrauern die letzten kraftlosen Blätter im Wind. Meine Nacht riecht nach Rauch und Wolken, es dämmert. Es dämmert und ich träume, dass die Wolken schmecken wie dein Kuss, dass der Rauch am Boden bleibt, ich sie sehe.

Ich träume das leise Verwehen ins Morgenglimmern wie Rauchfädchen aufsteigend, schwerelos.

Ich träume Wolken und Rauch. Ich träume.

Ich träume.