Ach, vergiss dich einfach. Lass alles fahren, laufe lieber, stehe niemals still. Vergiss deine Heimat hier an diesen Häuserwänden. Vergiss deine Familie, sieh dir selbst zu beim Verenden und beende deinen Geist. Du wirkst gehemmt zwischen all den Straßenlichtern, Geisterfahrern, Standstreifenfiguren. Dein letzter Tag im Revier und du fährst den Bus nicht, du sitzt bequem und starrst und kannst es manchmal fassen. Wolltest du nicht noch einmal laufen? Du steigst irgendwo aus, weil es dir nicht egal ist. Deine Augen fotografieren alles ab, dein Herz prüft auf Wahrheit. Du liebst diese Welt, lass dir nichts einreden und sprinte ein Stück. Hier wohnte der und der und die kennst du natürlich nicht und doch siehst du sie alle einmal im Leben, jede Figur, jeden Schemen. Lauf weiter. Ein Stück Asphalt und sieh dich nur um: Alles in Bewegung. Und du? Du läufst nicht mehr, du stehst, nein, du sitzt auf der Bank, die ist viel zu kalt, jetzt im Herbstwind und du stehst nicht auf, weil, ja…weil. Du bewegst dich im Stillstand. Du bist verwirrt, lässt dich hängen. Hier scheint alles im Fluss und du treibst auf dem dunklen Wasser wie gefallenes Laub, führungslos. Ein Blatt folgt der Natur, die hier rinnt und eingefasst ist. Eigentlich sehr hässlich. Künstlich und halbverrohrt und du stehst endlich auf von deiner Bank. Sieh hin, alles in Bewegung, sieh hin. Du willst Laufen, du sprintest nicht, du schleichst, ein Fortschritt, ein Fortschreiten am Tag. Vergisst du so deine Familie? Findest du nicht deine Heimat zwischen den Backsteinen des Reviers? Wohin soll es dich treiben? Die Gesichter sehen dich an und nehmen nichts wahr und das ist dir ganz recht. Soweit bist du noch nicht. Du bewegst dich an den Rand des Geländers, du riechst den Kanal, die Koettelbecke, wie deine Mutter sie genannt hat, du riechst sie, bevor du sie siehst und sie braust vorbei wie ein Fluss in einem dieser romantischen Gedichte und der Fluss ist hier nichts als ein abwassergeschwängerter Witz in Rohren. Du spuckst hinein. Du greifst das kalte Geländer und verfolgst ein Blatt, ein buntes Stück Laub, das du in sein Schicksal hineingetreten hast. Nach wenigen Metern vom Rohr verschluckt. Lautlos, schwarz und fort. Dein Herz kitzelt, zuckt zurück. Du wendest den Blick zum Himmel. Er prallt ab an den Wolken. Oder ist es Rauch? Es ist dein Blick. Er kehrt zu dir zurück, war nie fort, wird es nie sein. Um dich die aufpolierten Zechenhäuser, bunt, fernabgerückt, du stehst am Geländer, riechst Abwasser und versuchst zu vergessen: Die Häuser, die Zimmer, die Kindheit und dich.