Sonnencremegerüstet die Wiesen belagern und Flügelschläge der Sommervögel verlieren sich lautlos über unseren Köpfen. Was macht ein meerverwaister Raum ohne seine Freibäder im Sommer, außer verbittern?
Das Mülleimergestopfe müffelt den Wespen entgegen, Durstlöscher, Pommespieker und verstreute Häufchen von Kassenbelegen, Eintritt 3.50€, noch immer und dort trifft ein Kaltgetränk auf Betonbodengeflimmer, es verläuft sich alles. Ein Bademeisterpfiff über dem Fliegenangriff auf der Decke an der braungrünausgetrockneten Schwimmbadhecke und vom Geruch des Sommers betrunken wandeln einander Fremde zum Beckenrand, sonnenrotgepinselt, immer dem Chlorgeruch zu. Am Sprungturm traut sich einer zum ersten Mal nicht und die Erfahrung zeichnet ihn bis heute, da ist alles, nur leider kein Stolz. Ein Mädchen zieht Bahnen, einsame Strecken und eine Schale Pommes dümpelt im Nichtschwimmerbecken. Irgendwo daneben schickt ein Träumer Zigarettenrauch in den Abend. Zwei Spielkarten weht der Wind auf eine heimliche Reise über die Wiesenweiten, die Partie Mau-Mau für immer unbeendet und keiner bereut es je. Man beschwört den Wind, zu heiß ist es geworden und heißer wird es im nächsten Jahr doch sicher, und dort hinten ist die Luft schon dick zwischen Tarek und Sam und eine Bluetoothbox plärrt ihren unverständlichen Text zu alten Beats, störend laute Töne. Hurensohn. Was willst du machen? Im Freibad liegt jeder neben jedem, gleich welchen Gehaltes, gleich welchen Alters, ein jedes Leben, zumindest vor den Zeiten der Privatpools in den Hintergärten des Geldunglücks.Und wir? Wir finden das fast poetisch und liegen dem Ferienende entgegen, dem großen, ein letztes Mal und einer sagt bereits: „Wisst ihr noch?“, denn jeden ängstigt die Wahrheit sekündlich mehr. Noch brennt der Sommer, noch tauchen wir ins Wellenbad und andere können das nicht verstehen, aber am Beachvolleyballplatz lachen wir alle sinnbefreit und unbeschwert und groß: Wir sind zusammen mit Freunden.Doch der Berge Dämmerung trifft uns jeden Tag nun etwas früher. Im Freibad und im Gruppenchat trifft man heute weniger als gestern, und in die Gesichter und Geschichten schleicht sich unaufhaltsam der Ernst, ewiger Erzfeind der Jugend. Rucksäcke verschnürt, das Brennen an den Schultern, Handtücher hängen an ihren Zipfeln noch raus und das Kartendeck ist unbrauchbar geworden: „Bis bald – Bis dann“ und nach Schwimmbadschluss geht jeder seiner Wege: Wie lange hält das noch? Wie lange sind wir zusammen? Ich wünsche mir für immer, doch zum ersten Mal knackst die Unbeschwertheit der Jugend bei mir, als ich den Fahrrädern meiner Freunde nachblicke und sie am Straßenende verschwinden sehe, ich winke noch im Dämmerungsrot, dem warmen Licht des Abends. Denn was schön war, wird nicht ewig dauern, ja darf nicht ewig dauern, ich weiß es, aber geholfen hat das nie, das Wissen. Es schmerzt und es bricht die Abendsonne in die Unvernunft und die Leichtigkeit und die Schönheit und dann steige ich auf mein eigenes Rad wende, trete, schwanke und fahre los, zu mir.