Denkmal

Bergbaudenkmäler versprengt im Revier: Förderräder, rostbraunbetupft auf Kreisverkehren; in Bronze gegossene, düstere Bergarbeiter mit Hammer und Helm im Flöz. Unerwartet, sie überraschen in der Landschaft, auf jener Brücke, an jener Straße, vor der eigenen Haustür: Kohlenloren, der Klassiker, schwarze Kohlenloren immer wieder, stolz auf ihre Schienenbruchstücke geschweißt. Teils sprießen Blumen aus ihnen, stehen sie in den fast gepflegten Schrebergärten. Teils findet man sie vor Museen oder Schulen: Stumme Zeitzeugen vergangener Tage unter Tage. Fotokulissen für Touristen; dort spielen Kinder, sitzen in den leeren Loren und lachen: Vergangenheit und Gegenwart, Gegenwart und Zukunft. Eine Schulklasse erfährt den Sinn hinter den seltsamen Kästen auf Rädern. Der braune Labrador hebt sein Bein. Zwei ehemalige Kumpel schwelgen bei ihrem Anblick in Erinnerungen, zwei Exponate einer aussterbenden Gattung, überholt von der Gegenwart. „Wie isset dich denn?“, fragt der eine und der andere sagt zum Abschied: „Denk ma‘ darüber nach“, schlägt ihm freundschaftlich auf die Schulter. Und ich denke: Recht hat er. Ihr Anblick ist noch Normalität, doch ihre Vergangenheit fossilisiert mehr und mehr zur Geschichte, einen unerwartet überraschend, wann immer man sie hört. So werden sie zu dem, auf das sie blicken. Geschichte.