warten
auf dich, die du hochkletterst zu mir, um auf dünnen Stäben zu balancieren.
Gewachsen auf der Industriebodenasche, ganz Grün geworden und zwischen den Ästen lugt der rote Himmel auf unsere Gesichter, die Sonne eine Pupille unter halboffenen Wolkenlidern, Saurons Auge, sagst du atemlos und horizontweit die abgeschnittene Glut der Galaxie, ja ein Zauberwald in einer Zauderwelt, noch sommerwarm, und endlich schön.
Zusammen stehen wir auf der kleine Plattform über der Erde. Hinter uns niemand. Vor uns der Parcours. Wir haben Zeit. Ich sage: Wir haben doch Zeit. Wir balancieren über die dünnen Stäbe, wackelnd, zitternd, halten
Inne
trauen uns zur nächsten Plattform und weiter. Ich sage: Das war hier einmal alles Zechengeländer. Du sagst: Jetzt hör auf mit der Vergangenheit. Und das habe ich nie verstanden. Hinter den Stäben warten Baumstümpfe, die an einzelnen Seilen baumeln, taudicke Seile und kippende, schwankende, wackelnde Stämme. Wir balancieren weiter in unserem Sicherheitsgurt. Immer zwei Füße gleichzeitig auf den Stamm. Sonst kippt er. Sonst kippen wir. Und hängen an den Seilen. Doch wir meistern auch sie, lachen voller Euphorie und auch etwas Stolz und dann
kannst du nicht mehr.
Tränen laufen über deine Wangen, Bleitropfen wie Blut zu Boden. Du sagst: Mein Papa – Und kannst den Satz nicht beenden, weil das alles wieder kommt.
Der Himmel war aus glühender Lava und es sah aus, als hing die ganze Welt an Seilen. Baumelnd und taumelnd und du blicktest in die Wolken, sich zuziehenden Augenlieder, Dämmerungsschatten zwischen dem Baumgeäst vor dem Krankenhaus an diesem einen ewigen Tag.
Hinter uns niemand. Vor uns der Parcours.
Wir haben so wenige Zeit, sagst du. Wir haben so wenig Zeit. Im Zauberwald, in dieser Zauberwelt, noch sommerwarm.
Noch haben wir Zeit. Und dann
balancieren wir weiter.