Jochen machte es schon seit Jahren. Tina mit ausgeprägtem Widerwillen. Für Heike war es die Pflicht und für ihre Schwester Monika eine Auszeit. Peter meckerte immer, über die Menschen, über die, die kamen und über die, für die sie kamen. Sung störte sich nie daran. Christoph verdrehte die Augen. Mira war beim ersten Mal überrascht, dass es eine Schlange gab. Fadime war extra einen Tag zuvor beim Frisör gewesen. Hannah desinfizierte immer alles, jeden Stift und jeden Stuhl. Ihr Mann brachte gegen Mittag Brötchen und heißen Tee und jeder beneidete sie heimlich. Tilo tat es einmal und nie wieder. Tomasz hielt lange Reden, wenn niemand anwesend war und wenn Schritte über den Flur klangen, schwieg er überraschend schüchtern. Jonas versuchte immer schnell zu sein und Mira konnte das nicht verstehen. Sie war in Jonas verliebt und lächelte viel zu auffällig und am Ende viel zu traurig und allein, alle Jahre wieder. Liv beklagte sich über die Räume und die Wände und über die Tische und Stühle sowieso, die armen Schülerinnen und Schüler. Aileen hatte sich einmal in einen Mülleimer erbrochen. Petra einen Heiratsantrag bekommen, der tatsächlich etwas romantisch war. Emin und Sara liebten den Geruch des Papiers, aber sie verrieten es niemanden, nicht einmal einander. August wurde jedes Mal melancholisch. Auch Zoé musste öfters weinen. Hans unterhielt immer alle mit seinen Geschichten und als er starb, wäre er stolz auf Jason gewesen, der seinen Geist am Leben hielt. Magret war immer zu laut. Lina zu leise. Esra sagte nie einen Ton, aber zählte zuverlässig mit. Ole kochte den besten Kaffee und manchmal lächelten sie alle, wenn jemand kam und sie ansah. Nur Margot lächelte nie. Armin gefiel das nicht, aber er sagte nie etwas Böses. Vladi war gerne der erste und wenn jemand nach dem Abschluss an die nun geschlossene Tür klopfte, zum Abschied, war es mit Sicherheit Maria, die das immer tat.
Ihr Gesicht würde sich niemand merken. Diese Gewissheit eint.
(Verändert nach: Wolf Wondratschek: 43 liebesgeschichten)