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Ruhrgebiet

Ruhrgebiet heißt: Sterben; heißt: Aufleben aus Vergangenheit. Ruhrgebiet heißt erinnern, heißt Fußabdrücke in Beton zu gießen. Auch Sterben muss man lernen. Ruhrgebiet heißt, nie stillzustehen. Und zu hassen, dass man das weiß. Ruhrgebiet heißt Napoleonkomplex: München und Hamburg und Köln, die mickrigen, phantastischen Millionenstädte, tapezierte Schönheiten.Trotz deiner überragenden Größe.

Ich spreche nicht deine Sprache, deine Begriffe sagen mir nichts. Manchmal nicke ich dir zu, deinem Abendhimmel, deinen verstummten Schloten, niemals den Menschen. Warum eigentlich nicht? Hilft nichts. Weitermachen. Ruhrgebiet heißt Arbeit, Schweiß und Lachen. Ich kenne niemanden, der da widerspricht, aber ich kenne auch nicht viele. Ruhrgebiet heißt Revier, heißt Metropole, neuerdings. Manchmal wünsche ich mir das Revier zurück. Die rote Asche der Fußballplätze, nicht den Scheinrasenbelag, trotz besseren Wissens. Manchmal stehe ich im Stau und staune, wie viele Menschen ein Raum erträgt und weiß, dass es noch viel extremer geht. Manchmal wünsche ich mir, ich würde hier verschwinden können. Aber ich stehe im Stau. Ich spiele auf Kunstrasen. Ich schaue in den Abendhimmel und verlaufe mich noch immer in den Straßen deiner Städte. Es friert, mein Atem wird weiß vor dem roten Herbstlaub deiner tausend Bäume. Ich hasse die Veränderungen. Ich liebe sie. Hinterlasse Fußabdrücke, wenn auch nur im Waldboden neben meinem Hund, Schrebergärten unweit entfernt. Für Sekunden. Die betoniert niemand ein, kein erinnern, aber ich war hier, hier lerne ich das Sterben zu Fuß. Ich setze mir keine Grenze und verlasse deine nicht. Ich träume von fernen Welten an deinem Kiosktisch und kann es weder verstehen noch fassen: Weder liebe ich dich, noch kann ich dich verlassen.

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